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Restaurant Kahlenberg
Josefstraße 2
1190 Wien


Architekten
Erich Boltenstern
Leopold Ponzen


Einst Prestigeprojekt, heute vom Verfall bedroht: das Kahlenberg-Restaurant

Auch Boltensterns erstes Prestigeprojekt feiert heuer ein Jubiläum: 1935, also vor genau 70 Jahren fertig gestellt, bot das Restaurant am Kahlenberg einst 4500 Ausflüglern Platz. Diesem oft unterschätzten Schlüsselbau der heimischen Moderne ist in der Schau ein eigenes Kapitel gewidmet. Dokumentiert wird nicht nur die Baugeschichte und die Eröffnungsphase, sondern auch das weitere Schicksal des über Wien thronenden Gebäudes, das in den vergangenen Jahren zunehmend verfiel. Dank einer Initiative der Österreichischen Gesellschaft für Architektur und des besonderen Einsatzes der Kuratorinnen Judith Eiblmayr und Iris Meder konnte der Restauranttrakt im letzten Moment vor der Zerstörung gerettet werden. Das Nachbarhotel, 1964 von Hermann Kutschera erbaut, wurde im Frühjahr 2005 abgerissen.

Mit Boltensterns Restaurant und dem immerhin recht kühn auf die Kante gesetzten Hotel von Kutschera droht nicht nur ein unter vielen Renovierungsschichten verborgenes Gebäude verloren zu gehen, dessen Wert für die Wiener Moderne die Architekturhistorikerin Iris Meder im folgenden Interview erläutert. Abriss und Neubau würden auch das ideelle Gegengewicht der Höhenstraße zerstören. Die Zeiten, in denen bis zu 4000 Gäste am Kahlenberg bewirtschaftet werden konnten, mögen zwar vorbei sein. Aber das Prinzip, den Wienern an einer einzigartigen Stelle ein einzigartiges Speisezimmer zu bieten, das auf historischen Fotografien so aussieht, als hätte man auf's Deck eines Flugzeugträgers eine endlose Reihe von Tischen gestellt, dieses Prinzip dürfte doch auch im Zeitalter der Privatisierung von Aussichtspunkten nicht ohne Reiz sein.

DER STANDARD: Frau Meder, Sie arbeiten zur Zeit an einer Ausstellung über Erich Boltenstern (1896-1991), die im Herbst 2005 im Wienmuseum gezeigt wird. Welchen Stellenwert hat die Kahlenberg-Anlage im Werk des Architekten?

IRIS MEDER: Sie ist zusammen mit dem Krematorium in Graz einer der wenigen Zwischenkriegsbauten Boltensterns. Die halte ich für bedeutender als seine zahlreichen, nach 1945 entstandenen Werke wie den Ringturm, den Wiederaufbau von Börse und Oper sowie die Gebäude für die Nationalbank. Das alles ist gute Nachkriegsarchitektur, aber nichts, was international wegweisend wäre. In der Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit Judith Eiblmayr entsteht, soll es nicht darum gehen, Boltenstern als genialen Architekten zu präsentieren. Er ist eine historisch interessante Figur: Ein Moderner, der nicht emigriert ist, aber seine Professur verloren hat. Nach 1945 wurde er einer der einflussreichsten Architekten Wiens.

DER STANDARD: Was macht dann das Kahlenberg-Restaurant so bedeutsam?

IRIS MEDER: Ich würde es "reflexive Moderne" nennen. Erich Boltenstern stand in der Tradition von Adolf Loos, Josef Frank und Oskar Strnad, die aber jeweils fast nur Einfamilienhäuser gebaut haben, in denen Moderne und Tradition zu etwas Neuem, sehr Einzigartigem verbunden werden. Das wurde seinerzeit auch international wahrgenommen. Das Kahlenberg-Restaurant ist einer der wenigen größeren Bauten dieser "Wiener Schule".

DER STANDARD: Wäre das ein Argument, den Bau zu erhalten?

IRIS MEDER: Ja, auf jeden Fall. Am Kahlenberg fehlt nur ein gastronomisches Konzept. Die Leute werden weder wegen Boltenstern, noch wegen Neumann und Steiner auf den Kahlenberg kommen.


 
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